BLOG EINTRAG #7 - TÜRKEI (Part 1)

Ich habe die Rufe des Dönerspießes erhört und bin erfolgreich in der Türkei angekommen. Zur Begrüßung gibt es Straßen der Güteklasse 1. Glatt wie ein Aal, aber auch etwas hügelig (=“Buckelaal“). Aber nachdem ich nun seit einigen Tagen unterwegs bin, haben meine Forschungen ergeben, dass nach jedem „Bergauf“, auch ein „Bergab“ kommt, wobei währenddessen das Auftreten weiterer „Bergaufe“ gemäß dem Kailing-Theorem nicht unwahrscheinlich ist. Die Quintessenz dieses Unsinns ist, dass es einige rasante Abfahrten gab, die mich und mein edles Ross in schwindelerregende Geschwindigkeiten katapultierten. Top-Speed 75km/h. Die Radprofis werden jetzt mit arrogantem Duktus ein „das ist doch gar nichts“ von sich geben, aber ich hatte meinen Spaß, äätsch! Bei einem 50 Kilo-Bike, einer Basecap statt einem Helm und einer Hand an der GoPro statt am Lenker, muss ich sagen: Bitte nicht zuhause nachmachen … es sei denn, ihr wollt es unbedingt.
Das angenehme Fahren war dann aber spätestens im Istanbuler Großstadtdschungel vorbei. Während ich den Berliner Stadtverkehr noch als einen Guerilla-Krieg bezeichnete, ähnelte das eher einer One Man Army und es schien auch nicht zu enden. Ca. 40km in der Hölle der Stadtautobahn waren kein Spaß, aber dann hatte ich sie endlich vor Augen: Die Brücke, die mich nach Asien bringt. Jeden einzelnen Kilometer habe ich mit dem Fahrrad zurückgelegt. Was für ein epischer Moment … der mir von drei Polizisten versaut wurde. „This is highway, no walking, no bicycle“. Nach einigen gescheiterten Überzeugungsversuchen, dass ich doch meinen Helm anziehen könne, extra schnell fahren werde (Highway…) und dass sowieso Stau auf der Brücke ist, stoppte einer einen Niederflurbus und ich sprang samt Fahrrad hinein. Ein paar Minuten später war ich dann drüben und dachte mir: „Gar nicht mal übel Junge, mal schnell mit dem Rad nach Asien gefahren.“ Aber das ist ja im Grunde genommen nur der Anfang.
Für das Fahrrad war Europa damit vorerst abgehakt, aber ich ging nochmal zurück, um mir die Stadt etwas genauer anzuschauen. In sämtlichen Reportagen ist immer von der „Metropole am Bosporus“ die Rede und auch wenn es eigentlich gar keine genaue Definition von „Metropole“ gibt, muss ich sagen, genau des isses! Man weiß wirklich nicht wo Istanbul anfängt und wo es endet und man bräuchte wahrscheinlich Monate um die Metropole am Bosporus zu erkunden. Blaue Moschee, Hagia Sophia, Großer Basar, Bosporus, etc. Und ÜBERALL diese Selfie-Sticks! JEDER muss so ein Ding haben und sie werden an JEDER Ecke verkauft, damit man auch in den unmöglichsten Situationen ein schlechtes Foto von sich machen kann. Wenn die Dinger auch den Iran verschmutzen, werde ich so ein Stecken nehmen, senkrecht in den Boden rammen und anschließend steinigen. Das soll natürlich nur symbolischen Charakter haben, nicht dass ich's mir noch mit den Pazifisten verscherze.
Zusammenfassend gesagt: Istanbul, die Metropole am Bosporus, ist eine beeindruckende, großartige und unvergleichliche Stadt, die sicherlich für jeden einen Besuch wert ist. Nicht umsonst dauerte es sechs Nächte, bis ich mich weiter machte.
Vielleicht ist dem ein oder anderen die Lücke auf der Karte aufgefallen und ja, ich habe gecheatet. Und was für ein Spaß das gemacht hat! An einer Tanke sprach mich Osman an, wohin es denn gehe. Ankara. Dann tu doch dein Fahrrad bei mir rein. Sattel ab, Lenker ab, passt! Und so erreichte ich in ca. 4 Stunden Ankara, wofür ich sonst eher 4 Tage gebraucht hätte. Verpasst habe ich nicht viel, da die Strecke größtenteils hässlich war und wer sich einmal eine topographische Karte der Türkei reinzieht, sieht, dass mir einige Schmerzen erspart geblieben sind.
Ankara selbst ist ziemlich uninteressant, seine weiblichen Einwohner jedoch nicht unbedingt und so blieb ich unerklärlicherweise doch noch zwei Nächte länger bevor es Richtung Kappadokien, dem „Klassiker“ der Türkei ging. Schon jetzt kann ich sagen, dass diese Landschaft wahrlich außergewöhnlich ist, aber das erfahrt ihr beim nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Das Rad dreht sich, der Dönerspieß auch. Bis dann!

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Istanbul, die Metropole am Bosporus
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Osman, das Fahrrad und ich. Während der Fahrt wurde hauptsächlich getanzt ->
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Tuz Gölü, einer der salzhaltigsten Seen der
Welt, der fast die ganze Türkei mit Salz versorgt
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Der erste Platte nach 3400 km
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Gerne winken mich die Melonenverkäufer ran, um bei einem kurzen Plausch mir ein paar Stücke zu spendieren. Schwer motivierend und immer wieder sehr lustig.