BLOG EINTRAG #13 - IRAN (PART 2)

Um aus Teheran herauszukommen, musste ich die Stadt komplett von Norden durch Süden durchqueren. Die Autofahrer bewiesen mir, dass auch auf zweispurige Straßen problemlos vier Autos nebeneinander passen, sodass sogar ich, der, der sich immer vordrängeln kann, im Stau stand. Eine Mischung aus Dreistigkeit und Skills brachten mich sicher heraus, aber auch draußen, gab es vorerst nur Dieselwolken statt Natur. Die Schnauze voll hatte ich zwar noch lange nicht, aber von einem erhöhten Spaßfaktor konnte nicht die Rede sein. Beim Halt an einem Kiosk wartete ich 2 Minuten und schon flatterte die nächste Einladung ins Haus. Truckexpress nach Isfahan. Um mich selbst zu therapieren, musste ich mich meinen Ängsten stellen, also nahm ich das Angebot an. Als er, Mohamad, kurz mit seiner Frau telefonierte, wusste ich, dass es keine Wiederholung vom warmen Truckexpress geben wird.

Spät abends in Isfahan ging ich auf der Suche nach Wifi in eine Shisha-Bar. Direkt wurde ich von Benyamin nach Hause eingeladen und konnte drei Nächte bleiben. Es kam dazu, dass auch eine Shisha (Wasserpfeife, hier „Ghelyun“) rauchte, die erste seit ca. 8 Jahren, doch ich hatte nichts verlernt. Beim Abschied war seine Oma so traurig, dass sie sogar weinen musste. Nachdem ich mit Warnblinker aus der Stadt eskortiert wurde, tat ich es tatsächlich: Rad fahren! Es gab zwar erneut Einladungen für den Truckexpress, aber ich wollte einfach mal wissen, wie es sich anfühlt. Straßen waren top, ausgebauter Seitenstreifen, nicht zu viel Verkehr, Wetter 1A, Landschaft unfassbar weit. Eines Abends landete ich im Massagesessel in der VIP-Lounge einer Autowäscherei, einmal übernachtete ich beim Roten Halbmond, sozusagen dem Roten Kreuz im Iran, eine Nacht in der Moschee und wieder spontan bei einer Familie. Die Menschen sind unglaublich hilfsbereit, lieben es Gäste zu beherbergen und selbst wenn sie es nicht wollen, bieten sie es dir trotzdem an, bei ihnen zu übernachten, da sie zeigen wollen, dass sie gute Menschen sind -> „Torof“. Insgesamt hatte ich im Iran Übernachtungskosten von 0,0 Rial.

Mit purer Legpower schaffte ich es von Isfahan bis Shiraz, lernte dort super viele Leute kennen, besuchte Persepolis, aß Schafskopf, besuchte die Schah Tscheragh, ging durch die Ghahro Ashti Alley, verliebte mich in Ice Pack und bekam Informationen über die Rapszene Irans. Als ich sämtliche Freunde meines Gastgebers und mittlerweile guten Freundes Reza mit Iranischen Schimpfwörtern bombardierte, freuten die sich riesig und er bekam mehrere Lachflashs. Was tut man nicht alles, um die Leute glücklich zu machen.

Angedacht war, auch den letzten Teil bis Bandar Abbas (am Persischen Golf) zu radeln, doch mein dortiger Host, den ich über Warmshowers klargemacht hatte, hatte mich (ohne, dass er mich kannte) für einen zweitägigen Trip in die Wüste eingeladen, den ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte. 600km in zwei Tagen waren unmöglich, Trucks, die von Shiraz bis „Bandar“ fuhren, waren jedoch auch nicht wirklich zu finden, also musste ich den Truckexpress in Etappen unterteilen. Am ersten Abend landete ich per Auberginen-Laster im letzten Dorf bei drei Heroin- und Opium-rauchenden Brüdern Anfang bis Mitte 40. Nachdem der eine high war und mir erzählt hatte, dass er 5 Jahre im Knast war, zeigte er mir anschließend die Dusche und sagte: „After you take a shower, I will kill you“, und lachte dabei dreckig. Ich erinnerte mich kurzerhand an Biedermann und die Brandstifter, eines der wenigen Bücher, dass ich in der Schule jemals gelesen hatte und dachte mir dann: „After you kill me, I will kill you back!“ Als er mich später fragte, ob ich nicht eingeschüchtert war und ich lachte und nein sagte, freute er sich und checkte ab (=gab mir die Hand). Eine interessante Art von Humor. Am Nächsten Tag wurde ich zurück zur Hauptstraße gebracht, radelte etwas, lernte dann den Bürgermeister eines Dorfes kennen, der mich zum Mittagsessen einlud, mich anschließend zum Polizeistützpunkt brachte und die dortigen Polizisten und Soldaten aufforderte, Trucks oder PickUps für mich anzuhalten. Letztendlich war es jedoch ein umgerechnet 2,5€ teurer Fernbus, der mich die letzten 290km zum Ziel brachte.

Vollgepackt bis unters Dach machten Ahmad, seine Freunde und ich uns von Bandar Abbas auf den Weg in die Wüste. Die war überraschenderweise relativ sandig, windig und trocken. Verrückt! Am Tag darauf liefen wir noch durch eine Schlucht, die nur kurz klarstellen wollte, dass die Landschaft im Iran sehr unterschiedlich sein kann. Es hat sich definitiv gelohnt! Zurück in Bandar Abbas hatte ich einen Tag zur freien Verfügung, da die Fähre Richtung Dubai nicht jeden Tag fährt. Das Besondere daran war, dass ich nicht im alltäglichen Zwiespalt steckte zwischen „bleib ich noch etwas und komme dadurch in meiner Tour nicht weiter“ oder „fahre ich weiter und verpasse dadurch etwas an diesem Ort“. Völlig entspannt und unbeladen schnappte ich also mein Bike, nahm eine Fähre und drehte eine Runde auf Hormuz Island und färbte dabei meine Reifen rot. Fresh, dope und auch verdammt swaggy!

Genau wie bei der Einreise, wollte auch beim Verlassen des Landes niemand irgendwas von mir kontrollieren, die anderen Reisenden scheinen etwas falsch zu machen. Bei der Grenzkontrolle lernte ich noch zwei andere Radler aus Belgien und Frankfurt kennen. Einer hatte eine Gitarre dabei, also gründeten wir kurzerhand eine Boyband und nannten uns die "No Naked Lights". Leider war Jakob Raucher und wir trennten uns kurz vor unserer ersten Single-Auskopplung wieder. Deshalb hatte ich Zeit noch ein paar Extrazeilen und Backgroundinformation zu erstellen bevor es in die Vereinigten Arabischen Emirate ging -> Blog #14


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Isfahan
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Persepolis
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Schafskopf
Birthdayparty
Ghahro Ashti Alley
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Wenn zwei Personen Streit miteinander hatten, wurden sie von ihren Freunden oder der Familie von unterschiedlichen Seiten in diese Straße gebracht. Sie ist so eng, dass sie sich nicht aus dem Weg gehen konnten, miteinander reden mussten und sich wieder vertragen konnten.
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Ice Pack!!! Bestes Eis der Welt!
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Islamisches Strafrecht sieht unter anderem Auspeitschen vor. Wir fanden das zu unkreativ und testeten neue Methoden.
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Hormuz Island
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