BLOG EINTRAG #16 – OMAN

An der Grenze galt es einen Zettel auszufüllen und 5 Omani Rial (ca. 12€) für ein 10-Tagesvisum zu bezahlen. Der Grenzbeamte zeigte willkürlich auf eine meiner Taschen, ich öffnete, er sah zwei Tomaten, schob diese zur Seite und sah ein Gurke und sagte „Okay“. Damit war ich also im Oman, einem Land von dem man so gut wie nichts weiß. Schließlich gibt es von hier nichts Schlechtes zu berichten, also für unsere Medien vollkommen uninteressant. Fast so groß wie Deutschland, aber nur etwas mehr als 3 Millionen Einwohner, größtenteils Wüste, im Norden ein Gebirge, das sogar die 3000m knackt, fast jeder spricht englisch, die Straßen sind die besten auf meiner bisherigen Tour, die Menschen sind sehr freundlich, aber nicht so anstrengend freundlich, wie es im Iran teilweise der Fall war, ich nenne es mal „angenehm freundlich“.

Im ersten Teil ging es für mich straight durch die Wüste. Wenige Dörfer, wenn dann aber mit reichlich Dattelpalmen umgeben, ab und zu eine Windhose, ein paar Kamele und die Sonne ballerte von oben. Diese Energie wollte ich nicht einfach so verpuffen lassen, also wärmte ich tagsüber Dosenfutter auf, um es abends warm essen zu können. Gezeltet wurde einfach irgendwo im Nirgendwo, genug Platz war ja da und teilweise wurde es selbst nachts nicht kälter als 29°. Der Sternenhimmel konnte sich sehen lassen, ließ aber noch Platz nach oben.

Auf der Suche nach meinem Couchsurfinghost, landete ich in Bahla in einem PC Laden. Die Besitzer freuten sich mächtig und einer fuhr spontan mit mir zu einem sogenannten Wadi, ein kleiner Fluss/Quelle/Wasserstelle. Realität! Es gibt hier tatsächlich Wasser! Mein Bike ließ ich einfach so, unabgeschlossen vor dem Laden stehen, "no problem, you are in Oman".

Am nächsten Tag, als ich mir die Festung von Bahla (UNESCO Weltkulturerbe) ansah, kam ich zufällig mit vier deutschen Reisenden ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass sie aus Flieden sind (40km von meiner Heimat) und meinen Onkel kennen. Prompt folgte die Einladung, am nächsten Tag mit ihrem 4x4 mitzufahren. Ein Tag lang hessisches Gebabbel, Heimat! Zudem ging es an Orte, an die ich mit dem Bike niemals hingekommen wäre. Nach gemeinsamen Abendessen hatte ich noch ein kurzes Meeting mit einem anderen Couchsurfer, der mir erzählte, dass der Sultan momentan in seinem Palast, hier in der Nähe von Nizwa sei. Irgendwie schaukelte sich unser Gespräch hoch und ich war motiviert, dort mit meinem Fahrrad hinzufahren und an die Pforte zu klopfen. Wohlgemerkt ist Sultan Qabus ibn Sa’id einer der reichsten und mächtigsten Menschen der Welt, es war also unmöglich da reinzukommen, aber ich dachte mir nur YOLO! Auf den Mauern Kameras und Maschinengewehre, drumherum überall Geländewagen in Bereitschaft, teilweise auch mit Maschinengewehren bestückt. Vor dem Tor nochmals einige schwerbewaffnete Soldaten. Ich fuhr hin und sie signalisierten mir schon, dass ich hier falsch bin, aber ich fuhr bis zum Eingang. Ich fragte freundlich, ob ich nicht rein könnte, schließlich sei ich von Deutschland bis hier her gefahren und habe ein Bild und ein Gedicht für den Sultan. Ich glaube, sie dachten, dass ich verrückt bin. Ich dachte das übrigens auch. Nach einem kurzen Talk wurde ich immerhin freundlich abgewiesen. Den Kommentar, dass der Sultan noch keinen Thronfolger habe, behielt ich in diesem Moment für mich und zog mit einem breiten Grinsen ab.

In Muskat, der Hauptstadt des Oman, nahm mich mein Host Steve mit zum Wadi Shab, wahrscheinlich das geilste, was ich auf meiner bisherigen Tour gesehen/gemacht habe. Eine fruchtbare Schlucht mit Palmen, in der ein sauberer Fluss läuft, der einige Pools zum Schwimmen und vor allem zum reinspringen bot. Den letzten Teil musste man schwimmen und sogar tauchen, Abendteuer pur! Hochklettern, Sprung, Hochklettern, Sprung, 4m, 5m, 7m. Hier hätte ich den ganzen Tag verspringen können. Aber wir wollten noch zum Sinkhole, einem ca. 20m tiefem Loch, in dem man auch schwimmen konnte bzw. reinspringen. YOLO Part 2.

Muskat war für mich die Endstation der Islamischen Welt und weil die fliegenden Teppiche grade ausverkauft waren, musste ich in den Flieger. Steve hatte mir vom Bike Shop eine Fahrradbox mitgebracht und zusammen mit Mike, einem Radler aus Schottland, der mit im Wadi Shab war, zerlegte ich meinen Drahtesel und tütete ihn ein. Klingt einfach, war ziemlich ätzend, vor allem mit der Gewissheit, alles wieder zusammenbauen zu müssen. Eine Waage hatte er leider (zum Glück) auch nicht daheim, also musste ich schätzen und hoffen unter meinen 30kg Freigepäck zu bleiben.

Am Flughafen dann die Ernüchterung, alleine die Box wog schon 31kg, das zweite Stück nochmal 4kg. Zusätzlich hatte ich zwei statt einem erlaubten Stück Handgepäck, die zusammen etwa 13 statt erlaubten 7kg wogen. Die Mitarbeiterin von Oman Air war freundlich und etwa in meinem Alter, meine Chance! Ein bisschen Smalltalk, ein paar Scherze, meine in ihren Ohren unglaubliche Story, ein bisschen mehr Smalltalk…irgendwann hatte ich sie soweit. Ein Anruf, Special Request, it’s okay. Ich ließ ihr ein paar Süßigkeiten da und zog ab. So blieb der Preis bei günstigen 142€ anstatt nochmal etwa 7€ pro Kilo Übergepäck zahlen zu müssen, was strenggenommen etwa 80€ gewesen wären. Auf dem Flug gab es sogar Bier oder Whisky, for free! und da es tagsüber war, zusätzlich einen wunderbaren Blick über den Golf von Oman und die Iranisch-Pakistanische Grenze, die mitunter der Grund ist, das ganze zu überfliegen. Man kommt dort zwar schon durch, aber man braucht einen Militärkonvoi, der ab und zu auch schon mal beschossen wurde und Leute gestorben sind. Das konnte ich meiner Mutter nun wirklich nicht antun, sie leidet schon genug ;)

Wo der Flieger nun landet gehört natürlich erst in den nächsten Blog-Eintrag. Kleiner Tipp: Es gibt dort eine Botschaft von Indien sowie von Myanmar, d.h. zwei Fliegen werden mit einer Klappe zernichtet! Bis dann!

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Bahla
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Bahla Fort
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...zu spät, die Hesse komme! Ab in die Berge mit meinen Freunden aus Flieden
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Zum ersten Mal musste ich on the road meinen Pass zeigen, aber das ist natürlich nicht umsonst! Ich fragte nach Wasser und die Polizisten geben mir eisklates Wasser, Orangensaft und Mangosaft!
Auch wenn ich nicht in seinen Palast eintreten durfte, das gemeinsame Foto hab ich mir abgeholt
Kochen mit Ökostrom
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Wer das 3 Mal schnell hintereinander aufsagen kann, darf einmal in die Keksdose greifen.
Hochsicherheitstrakt. Reinschleichen unmöglich!
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Wadi Shab
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The Sinkhole
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Muskat
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Die Grenze zwischen Iran und Pakistan - - - - - - - - - - - - - - - - - - - >
Zwar möglich, aber nicht sonderlich sicher und vor allem hätte ich dann den Oman verpasst...alles richtig gemacht!
Dressed-Up-Steve ^^