BLOG EINTRAG #23 – INDONESIEN PART 2

Die Leute haben es geahnt, der Flieger landete auf Bali. Nicht der schlechteste Spot, um sich um die Visaverlängerung zu kümmern, doch die hatte es in sich. Es ist eine Geschichte, die einige Seiten füllen würde, deshalb kurz: Ich wurde unzählige Male von einem Angestellten der „Imigrasi“ zum nächsten geschickt, jeder erzählte was anderes, ich füllte drei Mal das Formular 23 aus, lief vier Mal zum Copyshop, der Computer aß meine SD Karte und ich musste ein Formular komplett in Englisch und Indonesisch mit meinem eigenen Laptop abtippen, da sie nur eine Kopie da hatten. Etwa drei Stunden lang hatte ich Asterix und Obelix vor den Augen, wie sie durchs Irrenhaus laufen und dachte mir: macht euch keine Sorgen Jungs, ich bin bei euch! Zum Bezahlen und in die Kamera grinsen + zum Pass abholen, musste ich weitere zweimal den Weg von über 20km (einfache Strecke) abfahren. D.h. ca. 130km für neue 30 Tage, aber! exakt auf den Tag genau die ersten 30 Tage genutzt, keine Strafe zahlen müssen und ohne ein Rückflugticket zu besitzen (wird immer nachgefragt) die Verlängerung bekommen.

Von Bali selbst habe ich gar nicht so viel mitbekommen, zu beschäftigt war ich mit organisatorischem Kram, Visabestimmungen, Homepage, Flugtickets, und defekter Technik. Glücklicherweise arbeitet und lebt Amandine, eine ehemalige Mitbewohnerin aus namibischen Zeiten aktuell auf Bali, d.h. ich konnte meinen Business Space bei ihr einrichten und mit ihr und ihren Freunden das balinesische Bierportfolio durchforsten. Eine außergewöhnliche Feststellung, die ich jedoch machen konnte war, dass die Einheimischen trotz Großstadt und der Vielzahl an Touristen sehr freundlich waren. Bis dahin einzigartig!

Als der Stempel im Pass war konnte es weitergehen. Das Verkehrsaufkommen im Süden Balis ist zwar ein erhöhtes, verglichen mit anderen Großstädten jedoch eher entspannt. Dennoch passieren dauerhaft Unfälle, fast immer sind es Rollerfahrer und immer ist es Unachtsamkeit. Samstag morgen, die Sonne steht hoch, keine Wolke am Himmel, perfekte Sicht, man kann mich nicht übersehen, zweispurige Fahrbahn in eine Richtung, eine große Lücke, ich kann langsam rüber ziehen um rechts abzubiegen, die nächsten Roller sind noch mindestens 100m entfernt. 5 – 6 Sekunden vergehen, ich bin bereit eine fröhliche Melodie zu pfeifen, plötzlich hör ich einen lauten Knall. Abermals stellte ich die Flyness unter Beweis, denn ich flog im hohen Bogen von meinem Bike und fand mich auf dem Boden der Tatsachen wieder. Ungebremst ist ein wahrer Tunichtgut frontal, bzw. „heck“-tal, beinahe recktal, in mich reingerast. Ich versuche zwar stets die Fehler bei mir zu suchen, wenn etwas nicht läuft wie es soll, aber hier fällt es mir wahrlich schwer. Ich blieb kurz liegen, wartete auf Schmerzen und suchte nach gebrochene Knochen, fand keine, stand auf, Cap und Sonnenbrille waren draufgeblieben, immerhin mit Swag aufs Maul geflogen! Ich hatte Prellungen und Schürfwunden, das Schutzblech erlitt einen komplizierten (zweifachen) Splitterbruch, der Ständer erlitt einen Fußbruch, das Rücklicht erlitt einen Kabelbruch (eventuell nur Quetschung) und der Gepäckträger leidet seitdem an einer Schiefstellung. Bevor ich die Polizei rufen konnte, begang der Typ Fahrerflucht, aber das ist schon okay, da man die Polizei in Indonesien eh nur rufen soll, wenn man es nicht mehr kann. Also nur, wenn man schwerverletzt ist oder eben tot. In meinem Fall hätte ich nach Geld fragen können oder als Alternative die Rupias aus dem Typen rausprügeln können. Macht man hier so. Aber der Typ war weg, und damit auch meine 30.000 Rupias, die ich als Trinkgeld für die kostenlose Reparatur in einem kleinen Billig-Fahrradshop hinterließ. Kabelbinder und Gummibänder, es funktioniert. Rücklicht…vielleicht irgendwann mal wieder, vorerst wird auf Batteriebetrieb umgestiegen.

Am nächsten Tag startete ich den nächsten Versuch, kam nochmals an der Abwurfstelle vorbei und es bestätigte sich, dass der Typ ein Banause hoch zehn war. Eine vollkommen harmlose Abbiegung … theoretisch. Nun ging es Step by Step bzw. Ferry by Ferry Richtung Osten. Auf Lombok war der Verkehr ebenfalls nicht entspannt, also schnell durch und zur nächsten Insel. Auf Sumbawa gab es dann zum ersten Mal seit West-Sumatra Ruhe! Ein paar Kühe die genussvoll das Grün vertilgen, gute Straßen, viele Felder, wenige Berge, aber auch wenige Sehenswürdigkeit. Und auch wenn es nicht viel zu sehen gibt, gibt es immer was zu erleben. So lud mich ein Lehrer ein, bei seiner Familie zu übernachten und am nächsten Morgen mit in die Schule zu kommen, um seine Englisch-Klasse zu besuchen. Dort stellte er mich kurz vor und verließ dann einfach den Raum. Sie wollten mich mit Fragen durchlöchern und Selfies schießen, doch ich machte meinen Schülern ganz schnell klar, dass bei mir ein anderer Wind weht. Ich verpasste jedem eine fünf für Ungehorsam, verteilte Hausaufgaben für den Rest der Woche und um zu unterstreichen, was für ein harter Hund ich bin, gab ich mir selbst Hitzefrei. Dummerweise war der Lehrer ein Fahrrad-Fan und so musste ich an meinem Ruhetag dennoch in die Pedale treten…ganz entspannte 40km. Von Sumbawa ging es mit der nächsten Fähre nach Flores. Dort traf ich Amandine und ihren Freund Sam wieder, um zu einer zweitätigen epischen Tour aufzubrechen. Es ist wahrscheinlich 10 bis 15 Jahre her, dass ich zum ersten Mal eine Dokumentation über den Komodowaran gesehen habe, doch damals wusste ich direkt, dieses Vieh musst du einmal im Leben live und direkt vor deinen Augen haben. Es fiel mir damals jedoch auf, dass Komodo verdammt weit weg ist und man mindestens 3 Flüge braucht, um dort hinzukommen. Jetzt war ich aber da und konnte mir einen Jugendtraum erfüllen. Mit 9 Passagieren und 3 Crewmitgliedern ging es in einem kleinem Boot Richtung Nationalpark.

Am ersten Tag lag der Fokus unterhalb der Meeresoberfläche: Snorkling. Im flachen Wasser auf jeden Fall nochmal ein Top-Up im Vergleich zur Tour auf Koh Phi Phi in Thailand. Doch der Kracher wartete im etwas tieferen Wasser: Wie aus dem nichts erschienen plötzlich ca. 15 bis zu 4 Meter große Mantarochen, tauchten unter uns durch und führten ein elegantes Tänzchen auf, indem sie sich gemeinsam wie in einer Spirale drehten. Ich frage mich oft, wo die Natur ihre Kreativität hernimmt, aber mit den Mantarochen hat sie eine besonders interessante Idee gehabt. Als das Schauspiel vorbei war und ich zum Boot guckte, klammerte sich Amandine voller Angst an der Reling fest. Sie hatte einen dicken, mindestens zwei Meter langen Hai gesehen, direkt bei mir und Sam. Ich denke auch er wollte sich das Spektakel einfach nicht entgehen lassen.  Abends gab es noch einige riesige Flughunde zu bestaunen, bevor auf dem Boot geschlafen wurde. Das ist eine günstige Variante und ist auch am abenteuerlichsten … naja, eigentlich nicht, aber dazu gleich mehr.

Am nächsten Morgen war der Moment gekommen: Komodo Island. Zur Ranger Station und bezahlen: National Park Fee, Ranger Fee, Hiking Fee, Sightseeing Fee, Nature Fee, Photo Fee, Blue Sky Fee, Green Gras Fee, Fresh Air Fee, Deine Mudder Fee. Los gings und nach wenigen Minuten gab es ein rares Highlight zu entdecken: ein Komodowaran-Baby. Eigentlich leben sie auf dem Baum und kommen nur seltenst runter. Farblich auf jeden Fall schick gekleidet. Wenige Minuten später raschalte es im Gebüsch und da war er. Ein ausgewachsener Komodowaran, etwa drei Meter lang. Er lief geradewegs auf uns zu und züngelte um nach Beute zu suchen. Mein Instinkt war geweckt und ich war bereit ihn mit einem gekonnten Kehlbiss zu reißen. Doch man hielt mich zurück, schließlich wird die Gattung als gefährdet eingestuft. Hat er nochmal Glück gehabt. Stattdessen schlossen wir Freundschaft und schossen gemeinsam ein paar Fotos. Ich werde ihn vermissen, doch man sieht sich bekanntlich ja immer zweimal im Leben. An der Ranger Station chillten dann nochmal eine Handvoll dieser mächtigen Tiere, dasselbe Bild auf der Nachbarinsel Rinca. Angeblich werden sie nicht gefüttert, naja, wer weiß. Um es kurz zu halten, die Tour war der Wahnsinn und für mehr Infos zum Komododragon befragen sie bitte Wikipedia.

Es ging weiter Richtung Osten. Flores bietet zwar einige Sehenswürdigkeiten, dummerweise gibt es dort keine Geraden. Entweder es ging brutal bergauf oder brutal bergab. Anstrengung für Arschbacken und Bremsbacken. 4200 Höhenmeter in 230km, zu viel des guten. Vor der Stadt Aimere ging es einen Berg hinab, bei dem ich fast 30 Kilometer nicht strampeln musste, sondern einfach nur rollen lassen konnte. Auf der anderen Seite hätte ich diese 30km wieder hoch gemusst, um bis zum äußersten Osten von Flores zu gelangen, doch ich war am Ende. Die Fähre von Aimere nach Timor geht nur einmal pro Woche, jeden Samstag, es ist Freitagnachmittag, sie gehört mir und der Osten von Flores ist offiziell raus! Am nächsten Morgen brachten die Passagiere alles auf die Fähre: Reis, Bananen, Benzin, Hühner und sogar ein leicht erregtes Pferd war an Bord. Die Fahrt dauerte 20 Stunden und führte quer über die Sawusee. Tagsüber ruhig, begann die Fähre nachts an zu schwanken. Ich lag unten neben einem LKW, da es oben im ersten und zweiten Stock grauenhaft überfüllt und die Luft dementsprechend katastrophal war. Wie ein kleines Baby in der Wiege schlief ich dort auf meiner Luftmatratze und wurde von den Wellen sanft hin und her geschaukelt. Ich träume, wie ich mit einem Komodowaran bei eiskaltem Bintang Beer unter Palmen am Strand liege und gerade als wir anstoßen wollen, wurde ich urplötzlich und unsanft aus dem Schlaf gerissen. Eine Welle hatte es über die Reling geschafft und voll auf mich drauf. Schnell flüchtete ich unter den Laster, der die kommenden Wellen für mich auffing. Der Laster wurde nun auch immer mehr hin und her geschaukelt, die Achse knarte und zu meiner rechten konnte ich das mittlerweile nicht mehr erregte Pferd beobachten, wie es eine Welle nach der nächsten abbekam. Das war eine wahrlich abenteuerliche Nacht auf dem Boot! Das Wasser lief jedoch nun auch seitlich unter den Truck und ich flüchtete erneut. Weiter hinten fand ich einen wunderbaren Platz, direkt beim Reggae-Hitler Truck.

Heil angekommen in Kupang überlegte ich um 4 Uhr morgens, was ich nun mit der gewonnenen Zeit machen kann. Ich guckte auf meine Offline Maps, recherchierte etwas im Internet und guckte auf den Ferry Schedule. Spontan beschloss ich eine kleine Ehrenrunde auf Rote Island zu drehen, die Fähre ging nämlich schon drei Stunden später. Merken sie sich: Flexibilität auf Reisen ist etwas, was man sich auf jeden Fall gönnen sollte! 

Die Tour auf Rote war schon fast etwas absurd bzw. war das Absurde der Typ auf dem Fahrrad. Ich fuhr im südlichen Teil durch winzige Dörfer über schlechte Straßen, sogar durch einen Fluss, aber mit wunderbarem Ausblick. Viele der Kids hatten hier noch nie einen Weißen gesehen und waren verschüchtert und verwirrt, aber auch neugierig und amüsiert. Im Dorf in dem ich übernachtete gab es zwei Leute die Englisch sprachen und als Dolmetscher fungierten. Keiner von ihnen hatte hier jemals einen Tourist gesehen. Wahrscheinlich wird man sich noch lange von dem großen Weißen auf dem Fahrrad erzählen. Und ich werde noch lange den großen weißen Strand im Kopf haben, Nemberala Beach, im Westen der Insel. Kaum ein Mensch dort an diesem nahezu perfekten Strand. Es war zu schön, um diesen Moment alleine zu genießen, deshalb zog ich lieber schnell ab und zurück nach Timor, bevor ich ernsthaft traurig wurde. Stattdessen gucke ich nach vorne. Es geht in einen der jüngsten Staaten der Erde, Timor-Leste, der erst 2002 seine Unabhängigkeit erhielt. Als mir die Idee mit der Fahrradweltreise in den Kopf schoss und ich zum ersten Mal auf einer Weltkarte rumkritzelte, dachte ich mir: wie krass wäre es, wenn man komplett bis Osttimor durchziehen könnte. …when dreams become reality… 

Bali
Sumbawa
Class in session...
YOU MUST LEEEAAARN!
als guter Lehrer, ist es mir wichtig nach Unterrichtsende das Vieraugengespräch mit meinen Schülern zu suchen, um das Maximum aus ihnen herrauszuholen
Komodo National Park
Flaaashed!
...wenn mä en Lauf hat, hat mä en Lauf...
en Bier und en Kurzer
Flores
Spider Web Rice Field
Fähre von Aimere nach Kupang
Rote
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