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BLOG EINTRAG #32 – Mexiko (Part2)

Eine Freundin sagte „schon 2 Monate in Mexico, dir scheints zu gefallen“. Das mag korrekt sein, wenn man jedoch einen Blick in den Atlas wirft, fällt auf, dass Mexiko größer ist, ist als so manch eine denkt. Nach Australien und USA also erneut ein Riese.

Mein Crankset kam, wie zu erwarten, nicht in zwei Tagen, erneut saß ich eine Woche auf heißen Kohlen in Guadalajara, aber als ich es nach insgesamt 40 Tagen endlich in den Händen hielt und montierte, konnte ich übers Hochland von Mexico fegen. Dachte ich.  Ganze zwei Tage später riss der Mantel des Hinterreifens auf. Zum ersten Mal seit Beginn der Tour lohnte es sich, dass ich mit 26“ Reifen unterwegs bin, da ich in der nächsten Stadt problemlos einen neuen fand. Nach längerem Erfahrungsaustausch, schenkte mir der Verkäufer (namens Sankt Martin) sogar den Mantel. Danach fragte er mich, ob es nicht euch teuer ist zu reisen. Ich guckte den Reifen an und sagte „Nö“. Nun fahr ich also mit einem ziemlichen Ungetüm von Mountainbikereifen der mexikanischen Marke „Hunter“ weiter. Die Jagdsaison ist eröffnet. Erbeuten konnte ich vorerst Blicke auf die Pyramiden von Tula und Teotihuacan. Die Nächte auf + - 2500m wahren bitter kalt, teilweise nur 4°C. Mehr Weihnachtsfeeling als in Deutschland, wie mir berichtet wurde. Weihnachten war nett, es gab ein carnivorisches Abendessen, bei dem neben 7 Braten selbst der Salat mit Fleisch verstärkt wurde. Gestärkt erreichte ich den eher wenig idyllischen Golf von Mexico bevor es zwei Tage vor Sylvester zu einer absurden Geschichte kam.

Wie so oft planlos, suchte ich nach Sonnenuntergang eine Bleibe, sah im Dorf namens C-25 ein Kirche und eine Person seitlich davon. Ich stellte mein Fahrrad im Kirchgarten ab mit der Erfahrung, dass Dörfer sicher sind und bei einer Kirche erst recht nichts passiert und lief um die Kirche. Die Frau auf der anderen Seite sagte mir, ich soll die Mechaniker fragen, es sollte kein Problem sein, bei ihnen zu zelten, als auch schon der erste um die Ecke schaute und mich begrüßte. Dummerweise hatten die anderen drei gerade gemeinsam mein Handy aus meiner Lenkertasche geklaut, das ich aus Leichtsinnigkeit dort gelassen hatte. Ich fragte erbost, wer es hat - natürlich niemand. Plötzlich fingen alle an auf dem Boden zu suchen. Ich gab ihnen zu verstehen, dass ich nicht blöd sei (nur eine Annahme) und fragte wie viele Pesos sie haben wollen, doch sie taten so als verstehen sie nicht von was ich spreche. Relativ plötzlich wurde es Abend, ich war noch immer am Diskutieren und weitere Leute kamen hinzu. Es war eine knifflige Situation, denn es war dunkel, ich war allein und überlegte, ob die Typen, die gerade kaltblütig mein Handy gezockt hatten, auch krass genug wären, mich komplett auseinander zu nehmen. Doch mir war klar, dass wenn ich hier abhaue, auch mein Handy für immer weg ist. Langsam verzogen sich jedoch alle, vom Angebot zum Übernachten war natürlich keine Rede mehr, also ging ich zum direkt gegenüberliegenden Dorfladen. Die Familiemitglieder der Besitzerin waren direkt meine Freunde, luden mich zum Übernachten ein, ich erzählte die Story und durch rumrennende Kids wusste 20 Minuten später das ganze Dorf, wer die Bösewichte sind. Eine Frau ging rüber zu Ihnen, die Typen kamen raus, sprachen natürlich nicht mit mir, aber suchten erneut alibimäßig, doch völligst lächerlich, mit Taschenlampen den Kirchgarten ab, teilweise in der Hecke hinter der Mauer, wo ich mich niemals aufgehalten hatte. Nachdem sogar der Bürgermeister auch nochmal im Diebeshaus verschwand und ohne Ergebnisse zurückkehrte, änderte ich über die Handys meiner Gastgeber mein Facebookpasswort, sperrte Whatsapp, Google, etc. und verbrachte die Nacht etwa 30 Meter Luftlinie entfernt von meinem Handy und überlegte mit welcher Methode ich es zurück bekommen kann, doch auch am nächsten Morgen hatte ich keine sinnvolle Lösung parat. Als ich mich nach dem Frühstück mit dem schmerzhaften Abschied zurecht gefunden hatte, kam plötzlich eine Frau aufgeregt ins Haus gestürmt. Sie hatte mein Handy in der Hand. Es hat in der Kirche auf dem Altar gelegen. Die Kinder applaudierten, ich schaute rüber zur Großmutter und sie guckte mich grinsend an. Sie erhob beide Arme und sagte „Gracias, Dios.“ (Danke, Gott). Da möchte ich ihr absolut Recht geben, denn scheinbar wurde der Tunichtgut so sehr von seinem schlechtem Gewissen geplagt, dass das Mobiltelefon seinen Weg zurück fand. Irgendwie war ich für die Story dankbar, denn ab dann wurde es nicht sicherer und diese letzte Warnung war notwendig, um mich wach zu rütteln.

An Sylvester durfte ich eine Piñata verprügeln und kurz darauf schaute ich mir die faszinierenden Pyramiden von Palenque an. Hier wollte mir ein Hotelbesitzer erzählen, dass ich einen Tag extra bezahlen müsse, da es schon 11 Uhr war, als ich los wollte. „Zufällig“ hatte er eine Machete in der Hand. Ich stellte mich dumm, sagte „No entiendo“ (verstehe ich nicht) und fuhr schnell weg. Nach exakt zwei Monaten überquerte ich die Grenze in einem kleinen Boot  nach Guatemala. Dieser Grenzübergang wird wohl auch gerne von Menschenschleusern verwendet, die ihre Kunden, Leute aus Zentralamerika, über Mexiko in die USA schmuggeln wollen. Mehr dazu und weitere Absurditäten in den nächsten Einträgen. Weiterlesen!

Guadalajara
Carne
Tula de Allende
Teotihuacan
Feliz Navidad
Der Tatort
Die kleine ISIS, im pinken Shirt
Sylvester
Palenque