BLOG EINTRAG #37 – Honduras

Über Honduras hatte ich gehört, dass es etwas ruhiger als El Salvador oder Nicaragua sein soll (Fehlinformation, das Gegenteil ist der Fall! Der Text des Auswärtigen Amts ist verheerend, wie ich danach herausfand), doch schon kurz nach der Grenze fanden einige „Gringo“ Rufe den Weg in meinen Gehörgang. Teilweise waren es Kinder, teilweise Jugendliche. Eigentlich ist es ein abwertendes Wort für US-Amerikaner, also bei mir falsch angebracht, dennoch verstand ich die Motivation, die dahinter steckt. Der weiße Mann hat Geld, wir nicht.

In der ersten Stadt auf dem Weg zum Streetfood, sagte mir ein Opi auf dem Fahrrad grummelig, dass ich aus dem Weg gehen solle, obwohl er auf meiner Seite fuhr, ein weiterer Opi schrie etwa 2 Minuten irgendwas von Gringo, auch als ich schon längst am Straßenrand am Tisch Platz genommen hatte. Keiner der Leute dort guckte mich an, noch redete jemand mit mir, pure Ignoranz. Die Verkäuferin gab mir jedoch was zu essen, ohne unfreundlich zu sein. Danach holte ich mir bei einem anderen Geschäft noch eine Cola. Drei Jungs zwischen 10 und 12 Jahren berieten sich kurz, kamen zielstrebig auf mich zu und stellten sich relativ nah um mich herum. Kurz etwas Smalltalk, danach fragte mich einer, wieviel Uhr es ist. Ich guckte ihm direkt ins Gesicht und sagte laut und deutlich „Once“ (elf). Er fragte mich warum ich das weiß. Mir war klar, dass diese kleinen Bengel es auf mein Handy abgesehen hatten. Auch wenn es für den Leser unglaubwürdig klingt, sind Jugendbanden, mit Kindern ab 8, 9, 10, … Jahren ein großes Problem hier und noch mehr in Nicaragua. Also stellte ich meine Pepsiflasche auf den Tisch und erzählte ihnen, dass dies eine Sonnenuhr sei und man die Zeit nun ablesen könne. Sie merkten, dass ich sie durchschaut hatte und zogen wieder ab, wobei einer der Jungs gerade einen Anruf bekam -> sie wussten die Uhrzeit.

Nachdem ich ein paar Stunden später in einem Dorf eine alte Frau antraf (die es eigentlich besser wissen sollte) und sie ebenfalls „nicht sonderlich freundlich“ mit mir redete, erklärte ich ihr, dass ein Unterschied in der Finanzsituation zweier Menschen keine Rechtfertigung für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist. Denn genau das war es, was ich den ganzen Tag lang abbekam. Glücklicherweise, geriet ich am Abend an die richtigen Personen, die mir erlaubten bei ihnen im Haus zu schlafen, da es sonst keine Hotels mehr gab und Zelten undenkbar gewesen ist.

Insgesamt habe ich schon ein paar Länder bereist, in denen die Menschen sich nicht viel leisten können, aber in keinem Land guckten die Menschen so sehr auf andere, anstatt auf sich selbst und in keinem Land entstand dadurch ein solcher Neid, verbunden mit Fremdenfeindlichkeit. Jeder macht seine Erfahrungen, vielleicht schwärmen sogar einige von Honduras, aber in meiner Liste belegt es mit Abstand den letzten Platz. Um dies zu festigen wurde ich an der Grenze wortwörtlich von Räubern umzingelt. Außerhalb der Imigration sagte man mir, ich könne das Bike hier draußen stehen lassen, hier passiere nichts. Ich sagte „Verdad?“ (wirklich?). Ja klar, kein Problem. Ich lachte die Jungs aus und stellte mich in die Schlange und verstaute all meine Sachen in meinen Taschen, selbst das 2€ Rücklicht aus Indonesien, dass ich sonst nie abmache. Ich wurde dauerhaft gecheckt, aber ich hatte alles so gut gesichert, dass es einfach nichts zu holen gab. Direkt vorm Eingang sagten mir erneut irgendwelche Leute, denen es völligst egal sein könnte, dass ich doch mein Bike hier draußen stehen lassen könne. Klar. Ich nahm es mit bis zum Schalter, bekam meinen Stempel, holte mir von meinen letzten 10 Lempira ein dickes Stück Papaya und fuhr lachend über die Grenze.